Gehirn reagiert sensibel auf Zuckerschwankungen

Gut eingestellter Blutzucker bewahrt vor Demenz

|   LV NiedersachsenMeldung

Typ-1-Diabetiker, die die aufgrund von Unterzucker oder zu hohen Zuckerwerten im Krankenhaus behandelt werden, haben statistisch ein deutlich erhöhtes Risiko später an Demenz zu erkranken.

Unter Blutzucker versteht man im Allgemeinen den Anteil an Glukose im Blut. Glukose ist ein wichtiger Energielieferant für den gesamten Körper. Auch für die Nervenzellen ist Glukose die wichtigste Energiequelle.

Sowohl Unter- als auch Überzucker schaden dem Gehirn

Das menschliche Gehirn reagiert sehr sensibel auf Schwankungen des Blutzuckers. Besonders gefürchtet sind Hypoglykämien, also Unterzucker, weil dabei das Gehirn nicht ausreichend mit Energie versorgt wird. Aber auch zu hohe Zuckerwerte, also Hyperglykämien schaden. Bei hohen Zuckerwerten verändern sich die osmotischen Bedingungen zwischen Blut und Gehirnzellen. Die Hirnzellen verlieren Flüssigkeit. Im Extremfall kommt es zu einem diabetischen Koma.

Eine Studie zeigt jetzt, dass Menschen mit Typ-1-Diabetes, die im Laufe ihres Lebens einen so dramatischen Unterzucker oder so hohe Blutzuckerwerte aufwiesen, dass sie stationär in einem Krankenhaus behandelt werden mussten, mit einem deutlich erhöhten Risiko leben, an Demenz zu erkranken.

14% wegen Unterzucker, 12% wegen zu hoher Zuckerwerte im Krankenhaus behandelt

Ausgewertet wurden dazu die Daten von 2.821 Personen mit Typ-1-Diabetes mit einem Durchschnittsalter von 56 Jahren. 398 und damit 14 Prozent von ihnen war in den zurückliegenden zwanzig Jahren mindestens einmal wegen Unterzucker in eine Klinik aufgenommen worden. 335 (12 Prozent) der Teilnehmer hatten schwere Überzuckerungen hinter sich und 87 Patienten, also drei Prozent, mussten in den davor liegenden zwei Jahrzehnten sowohl wegen Unter- als auch wegen Überzucker in einem Krankenhaus behandelt wurden.

Risiko für Demenz bei zu hohen Blutzuckerwerten um das Zweifache erhöht

In den darauffolgenden sieben Jahren nach Untersuchungsbeginn entwickelten 153 Teilnehmer und damit 5,4 Prozent der Studienteilnehmer eine Demenz. Personen, die wegen Unterzucker stationär in ein Krankenhaus aufgenommen werden mussten, hatten ein um rund 66 Prozent höheres Risiko für Demenz als gleichaltrige Typ-1-Diabetiker.
Ein noch höheres Risiko für Demenz zeigte sich bei denjenigen, die wegen zu hoher Blutzuckerwerte ins Krankenhaus mussten. Ihr Risiko war um mehr als das Zweifache erhöht

Am stärksten gefährdet waren jedoch Patienten, die beide Notfälle hinter sich hatten. Typ-1-Diabetiker, die wegen Hypo- und Hyperglykämien in einer Klinik behandelt wurden, erkrankten später mehr als sechsfach so häufig an Demenz wie Typ-1-Diabetiker ohne Krankenhausaufenthalte.