Verbot gefordert

Werbung verdoppelt Fast Food-Konsum von Kindern

|   LV NiedersachsenKinder & JugendlicheMeldung

Gegen Werbung für Burger und Pommes frites kommt sogar ein gesundes Vorbild der Eltern nicht an. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft fordert deswegen ein Verbot von Kinderwerbung für ungesunde Lebensmittel.

Schockierende Daten einer aktuellen US-Studie: Kinder, die Werbung für Fast Food sehen, essen rund doppelt so häufig diese Produkte wie Kinder, die keiner derartigen Werbung ausgesetzt sind. Und zwar auch dann, wenn ihre Eltern selten Fast Food konsumieren. Dies ist das Ergebnis einer Langzeiterhebung mehrerer Universitäten an über 600 Kindern.

Aufzeichnung wie viele Werbespots für McDonald’s gesehen wurden

Die teilnehmenden Familien wurden über ein Jahr lang begleitet. Die Kinder waren zu Beginn zwischen drei und fünf Jahren alt. Die Eltern füllten alle acht Wochen einen Fragebogen aus, welche TV-Sendungen ihr Kind wie lange gesehen hatte. Die Forscher berechneten daraus durch einen Abgleich mit Programmaufzeichnungen, wie viel an Kinder gerichtete Fast Food-Werbung für McDonald’s die Kinder in Kinderprogrammen wahrgenommen hatten.

Steigerung von Konsum von Fast Food um rund 50 Prozent

Parallel dazu hielten die Eltern wöchentlich fest, wie oft ihre Kinder Produkte von McDonald’s gegessen hatten. Das Ergebnis: Kinder, die an ihre Zielgruppe gerichteten Werbespots gesehen hatten, aßen doppelt so oft bei McDonald’s wie Kinder, die keine Werbung sahen. Dazu reichten schon gelegentliche Werbespots aus. Dieser Effekt zeigte sich auch dann, wenn die Eltern gar keine Fans von Fast Food waren.  „Der Auslöser war hier der eigene Wunsch des Kindes nach Fast Food“, schlussfolgern die Autoren. Essen die Eltern selbst auch regelmäßig Fast Food, machte Werbung keinen Unterschied – die Kinder konsumieren es dann natürlich auch, egal ob mit oder ohne Werbung.

Forderung nach Verbot für an Kinder gerichtete Werbung

Das Wissenschaftsbündnis „Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten“ (DANK) fordert schon lange, an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Produkte in Deutschland zu unterbinden. „Solche Werbung konterkariert alle Bemühungen, Kindern gesunde Ernährung zu vermitteln“, sagt Barbara Bitzer, DANK-Sprecherin und Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft. „Selbstverpflichtungen der Industrie haben sich hier als wirkungslos erwiesen. Daher hilft nur ein Verbot, um Kinder vor dem gesundheitsschädlichen Einfluss von Werbung zu schützen.“

Werbung wirkt stärker als familiäres Vorbild

„Die Ergebnisse zeigen, dass Werbung Kinder sogar stärker beeinflussen kann als das gute Vorbild der Familie“, sagt Bitzer, „es ist nicht hinnehmbar, dass so alle Bemühungen von Eltern und Pädagogen für eine gesunde Kinderernährung zunichte gemacht werden.“ Auch die WHO empfiehlt ein Werbeverbot als wirksame Maßnahme gegen Übergewicht bei Kindern.

Mehrere Länder haben bereits entsprechende Gesetze, beispielsweise Norwegen und Schweden. Auch die deutsche Verbraucherschutzministerkonferenz verabschiedete 2018 einen Appell an die Bundesregierung, gegen an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel vorzugehen: „Wo Selbstregulierung nicht funktioniert, steht der Gesetzgeber in der Pflicht, wirksame Maßnahmen zum Schutz der kindlichen Gesundheit zu ergreifen.“

In der Nationalen Reduktionsstrategie des Ernährungsministeriums wird das Thema zwar erwähnt, aber nur sehr vage. „Wir erwarten, dass Ministerin Klöckner in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode ein Verbot für an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Produkte vorantreibt“, sagt Bitzer, „es wäre widersinnig, Babys vor ungesunder Nahrung wie gezuckerten Tees zu schützen, ältere Kinder aber nicht mehr.“