Forscher in Halle entwickeln neue Konzepte

Studie zur Optimierung von Schulungen

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Warum nehmen so viele Menschen mit einem Diabetes Typ 2 nicht an den für sie so wichtigen Schulungen teil? Oder anders gefragt, wie müssten Schulungen aussehen, damit mehr Menschen mitmachen? Dieser Frage geht eine Forschungsgruppe der Universität in Halle nach.

Schulungen sind wichtige Bestandteile der Diabetesbehandlung und können den Verlauf des Diabetes verbessern. Schulungen nach der Diagnose Diabetes Typ 1 werden meist recht gut angenommen. Anders sieht dies bei Diabetes Typ 2 aus. Die Bereitschaft für Schulungen ist bei dieser Personengruppe deutlich geringer. Genaue Zahlen gibt es hierzu nicht, ebenso wenig sind die Gründe dafür bekannt.

Die Martin-Luther-Universität Wittenberg-Halle versucht diesem Problem in einer groß angelegten Langzeitstudie auf den Grund zu gehen. Das Ziel ist, bessere und nachhaltigere Schulungskonzepte zu entwickeln. Im Fokus der Studie stehen dabei die sozialen Faktoren, die den Betroffenen daran hindern, an Schulungen teilzunehmen.

Die Schulungen müssen in den Alltag der Menschen passen

Die Diabetiker Niedersachsen führten ein Interview mit Dr. Anja Knöchelmann vom Institut für Medizinische Soziologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, die diese Studie betreut.

Frau Dr. Knöchelmann, warum werden Schulungen von Menschen mit Diabetes vom Typ 2 teilweise nicht angenommen?
Dies ist bislang noch nicht richtig klar. Umfassende Befragungen dazu existieren bislang leider nicht. Erste Daten lassen vermuten, dass es verschiedene Barrieren gibt. Man muss regelmäßig in die Praxis kommen und man braucht Zeit für die Schulungen. Wir versuchen herauszufinden, warum die einen kommen und die anderen nicht. Man sollte an dieser Stelle betonen, dass die bestehenden Schulungen gut funktionieren und ein wichtiger Bestandteil der Diabetestherapie sind. Gerade deshalb sollte man schauen, wo man sie anpassen kann, um möglichst alle Betroffenen anzusprechen. Dabei ist ganz wichtig, die persönlichen Lebensbedingungen der Menschen zu berücksichtigen. Hier spielen zum Beispiel berufliche oder familiäre Verpflichtungen eine Rolle. Wenn jemand nicht zu Schulung kommt, liegt das somit erst Mal nicht an den Menschen, sondern an den Bedingungen. Klar ist aber auch, es ist meist leichter die Schulungen anzupassen als die Lebensumstände der Menschen.

Wer nimmt den besonders wenig an Schulungen teil? Eher Männer, eher Frauen, eher jüngere oder ältere Diabetiker?
Die Datenlange dazu ist nicht gut. Uns geht es darum, genau dies herauszufinden. Gibt es Personengruppen die Schulungen ablehnen? Oder ist es schlichtweg für manche Menschen zeitlich schwierig an Schulungen teilzunehmen? Wir wissen, dass beispielsweise Schichtarbeiter und Fernfahrer es sehr schwer haben, sich schulen zu lassen. Für diese Menschen ist es schwierig, immer zum selben Zeitpunkt zu kommen.

Welches Ziel hat die Studie?
Auf Grundlage unserer Studie möchten wir Empfehlungen aussprechen, wie Schulungen am besten weiterentwickelt werden, damit möglichst viele Personengruppen daran teilnehmen können. Wir werden uns dafür vorhandenes Schulungsmaterial ansehen und überlegen, ob sie angepasst werden müssen.

Welche Rolle werden auf lange Sicht Online-Schulungen spielen?
Ich denke, dass Online-Schulungen für manche Personengruppen durchaus geeignet sein können. Sehr viele Menschen mit Diabetes sind mit dem Internet vertraut, aber eben nicht alle. Deswegen brauchen wir auch auf lange Sicht Schulungen in Präsenz vor Ort. Nicht alle Menschen haben die Ausrüstung für Internetschulungen. Manche Menschen lernen lieber alleine, die würden von Online-Schulungen profitieren. Andere schätzen die Geselligkeit einer Gruppe. Vermutlich muss man hier zweigleisig fahren.

Denken Sie auch an Schulungen für Menschen, die schon länger erkrankt sind?
Auch diesbezüglich haben wir noch keine verlässlichen Daten. Wir sind aber dringend auf der Suche nach Teilnehmern. Da suchen wir natürlich auch bereits länger Erkrankte. Da können wir dann sehen, inwieweit die Schulungen Erfolg hatten und sehen, ob eventuell nachgeschult werden muss.

Wir bedanken uns bei Frau Dr. Knöchelmann für das Gespräch.


Teilnehmer gesucht!

Gesucht werden Menschen ab 18 Jahren mit Diabetes vom Typ 2, denen von ihrem Arzt eine Schulung empfohlen wurde und zwar solche, die eine Schulung bereits hinter sich haben aber auch die, die noch keine absolviert haben. Die Befragungen finden entweder per Fragebogen auf Papier oder Online statt. Die Befragungsunterlagen sowie weitere Informationen erhalten Sie von Herrn Karl Healy.

Kontakt:

0345/557-1174 (alternativ -1161)

www.t1p.de/lelesu

Direkt zur Befragung: www. t1p.de/diabetesstudie