Selbsthilfe im Wandel

Fortbildung in Winsen an der Aller: Passende Angebote schaffen

| Vereinsleben

Um die Selbsthilfe für Menschen mit Diabetes steht es gar nicht so schlecht, wie manch einer vielleicht meinen mag. Aber, wenn man sich den neuen Gegebenheiten nicht anpasst, kann es tatsächlich passieren, dass man den Anschluss verliert. So der Tenor auf unserer Fortbildung für Selbsthilfegruppen-Leiter am vergangenen Wochenende in Winsen an der Aller.

Selbsthilfe-Angebote für Menschen mit Diabetes zu gestalten und zu erhalten, das ist in Zeiten knapper werdender Kassen, einer sich verändernden Altersstruktur in der Gesellschaft und einer wesentlich verbesserten Informationslage durch das Internet nicht immer ein Zuckerschlecken. Dennoch konnten wir auf unserem Fortbildungswochenende im malerisch in Winsen an der Aller gelegenen Jann Hinsch-Hof eine motivierte Gruppe an Selbsthilfegruppen-Leiterinnen und Leitern zusammenbringen.

Rauchende Köpfe für einen Aufbruch

Angesichts der einleitend beschriebenen Herausforderungen rauchten dann entsprechend die Köpfe. Ein großer Austausch zur Lage zu Beginn des arbeitsreichen Wochenendes zeigte dann: So schlecht steht es gar nicht! Vertreter gleich dreier neuer Gruppen wussten Motivierendes zu berichten: Der Bedarf nach Austausch, Vernetzung und eben auch Geselligkeit ist nach wie vor da, aber unsere Angebote müssen zielgruppengerecht gestaltet sein. Auch in den bestehenden Gruppen zeigt sich, dass das Interesse an Selbsthilfe weiterhin groß ist – nur die Angebote vor Ort nicht immer passend.

Die Nachfrage wächst

Katrin Hellemann und Maren Ruhmann aus den neuen Typ-F-Gruppen in Südostniedersachsen und dem Bremer Umland berichteten diverse inspirierende Erfahrungen aus der Arbeit mit Familien vor Ort. Hier ist die Landkarte in Niedersachsen noch ziemlich leer, während die Nachfrage wächst. Einer unserer Schwerpunkt für das nächste Jahr somit. Dr. Martin Möhring, der in Stuhr bei Bremen eine Gruppe für Menschen mit Diabetes Typ 2 gegründet hat, wusste auch auf diesem Feld zu motivieren. Trotz einer verbesserten Informationssituation ist der Wunsch nach Erfahrungsaustausch und Vernetzung groß.

Unsere neuen Selbsthilfgruppenleiterinnen und Leiter

Potentiale der Digitalisierung nutzen

Mit dem Diabetologen Jörg von Hübbenet konnten wir einen ganz besonderen Gast für einen Fachvortrag gewinnen. Seinen Ausführungen lauschten die Teilnehmenden dann auch gebannt. Sein patientenorientierter und von moderner Kommunikationstechnologie begleiteter Ansatz in der Therapie ließ teilweise die Münder offenstehen. Von Hübbenet weiß die Potentiale der Digitalisierung zu nutzen – und dies zum Wohl seiner Patienten. Leider stellen wir als Patientenvertretung immer wieder fest, dass dies nicht überall der Fall ist.

Sichtliche Rührung

Nach einer intensiven Nachbetrachtung konnten wir dann auch noch etwas Erfreuliches am Ende des ersten Tages nachholen: Thomas Wolff, stellvertr. Leiter der Selbsthilfegruppe Goslar, ist mittlerweile 25 Jahre bei uns aktiv und bekam dafür eine wohlverdiente Urkunde von der stellvertr. Landesvorsitzenden Anke Buschmann überreicht. Bei einem herzlichen Applaus zeigte sich der technikaffine Selbsthilfeveteran sichtlich gerührt. War auf der Landesmitgliederversammlung, auf der diese Ehrung üblicherweise vergeben wird, kurzfristig verhindert.

Eine offenere Anbindung

Der zweite Tag begann mit einer weiteren offenen Runde und einem ertragreichen Ideenaustausch. Viele Leiter wollen ihre Angebote zielgruppenspezifischer ausrichten und im Notfall auch einmal motivieren neue Gruppen zu eröffnen bei divergierenden Interessen. Auch die künftig offenere Anbindung von Selbsthilfegruppen, die nicht formal bei uns angebunden sind, ist Teil dieser neuen Strategie. Eine Überarbeitung unseres Selbsthilfegruppen-Bereichs hier auf der Website wird dies bald schon praktisch werden lassen.

Unnötige Ängste nehmen

Zum wohlverdienten Abschluss hatten wir mit Alicja Baranowski von Abbott noch eine sehr kompetente Ansprechpartnerin aus dem Hilfsmittelbereich vor Ort. Baranowski scheute sich nicht, auch kritische Fragen zum FreeStyle Libre 3 und den anderen Sensoren Abbotts zu beantworten und nahm sich mehr Zeit als angefragt für eine umfassende Beratung und Hilfestellung bei Fragen zu den Produkten aus ihrem Haus. Die Möglichkeit einen Sensor zu testen war auch für die anwesenden Typ-F-Mütter Gold wert, ermöglichte es ihnen doch, einmal nachzuvollziehen, dass modernes Zuckermessen gar nicht weh tut und sehr komfortabel sein kann. Etwas, was sinnvoll in die Typ-F-Gruppen hineingetragen werden kann, um Eltern und betroffenen Kindern unnötige Ängste zu nehmen.