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Füße im Blick behalten: Chefarzt Dr. Werner rüttelt auf

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Wer rechtzeitig handelt, kann seine Gliedmaßen auch bei einem diabetischen Fußsyndrom vor der Amputation schützen. Worauf man achten sollte und welche Vorsichtsmaßnahmen im Alltag beachtet werden sollten, war Thema bei der jüngsten DIA AID live-Veranstaltung.

Wenn Dr. Thomas Werner Vorträge zum diabetischen Fußsyndrom hält, dürfen die Teilnehmer nicht allzu empfindlich sein. Allerdings ist es genau diese drastische Direktheit in Wort (und Bild!), die seine Auskünfte wie bei der letzten DIA AID live-Veranstaltung so nachdrücklich machen. Denn wer sich die Beispiele des Chefarztes aus dem Diabeteszentrum Bad Lauterberg im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen führt, wird ganz zwangsläufig für das Thema sensibilisiert.

Beispiele aus der Praxis

Da gibt es etwa das Nähzeug, das in einem unbeobachteten Moment heruntergefallen war. Beim nächtlichen Barfuß-Gang zur Toilette wurde es zum Verhängnis: Äußerlich nur eine winzige – wenn auch so natürlich bereits ernstzunehmende – Wunde, fiel die Nähnadel, die sich komplett in die Fußsohle gebohrt hatte, erst beim Röntgen auf. „Eine Katastrophe“, so Dr. Werner. Der dringende Appell des Mediziners: Auch nachts Schuhe tragen! Und im Zweifelsfall extra Schuhe mit einem leichten Einstieg besorgen, die auch mal in der Wohnung schnell und einfach angezogen werden können.

Ein anderes Beispiel betraf das dringend empfohlene Trocknen der Füße nach dem Duschen. „Es gibt Patienten, die nehmen dafür einen Fön“, berichtete Dr. Werner. Dies sei aber vollkommen falsch. Aufgrund des fehlenden Temperaturempfindens wurde der Haartrockner im geschilderten Beispiel „auf volle Pulle“ eingestellt, was am Fuß direkt zu massiven Brandverletzungen führte. Der Patient bemerkte das aber nicht – bis es zu spät war. Der Fußspezialist rät daher: Nehmen Sie ein Handtuch!

Füßen die nötige Aufmerksamkeit widmen

Grundsätzlich empfiehlt Dr. Werner also, die Füße möglichst pfleglich zu behandeln und ihnen so viel Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, wie es nur geht, um lang- und mittelfristig Amputationen zu vermeiden. „Die Füße müssen regelmäßig angeschaut werden“, sagt er. Bei Schuheinlagen müssten auch passende Schuhe getragen werden, um die Weichbettung tatsächlich zum Tragen kommen zu lassen. Auch beim Schneiden der Zehennägel sei – wenn es nicht ohnehin in einer podologischen Praxis geschieht – die nötige Aufmerksamkeit wichtig. Die Nägel sollten zudem mit einer geeigneten Schere und vor allem nicht zu kurz geschnitten werden.

Wenn es nun doch zu einem diabetischen Fußulcus komme, sei eine „unverzügliche“ medizinische Behandlung notwendig. Und die sollte, so Dr. Werner, von einem multidisziplinären Behandlungsteam durchgeführt werden. Dazu gehörten Diabetologen, Radiologen, Chirurgen, Podologen und natürlich auch Schuhmacher. Sollte tatsächlich eine Amputation nötig sein, gelte es, genau zu prüfen, wie genau diese aussehen solle. Immerhin haben Patienten seit April 2020 das Anrecht, auf Kosten der Krankenkassen eine zweite ärztliche Meinung einzuholen. Wären früher noch allzu häufig gleich ganze Füße abgenommen worden, reiche heutzutage beispielsweise die Amputation eines Teils des Fersenbeins, berichtete Dr. Werner: „Mit einem Spezialschuh konnte der Patient anschließend wieder laufen.“ Aber, klar: Das gehe nur, wenn im Fall der Fälle tatsächlich sehr schnell gehandelt werde.

Zum Schluss der Videokonferenz gab es jedenfalls viele lobende Worte für den Chefarzt. Trotz – oder gerade wegen – der sehr direkten und durchaus aufrüttelnden medizinischen Aufklärung.