Immunmodulator Teplizumab

Erstes Medikament zur Verzögerung von Diabetes Typ 1 zugelassen

Die EU-Kommission hat den monoklonalen Anti-CD-3 Antikörper Teplizumab zur Behandlung von Typ-1 Diabetes in einem frühen Stadium zugelassen. Ziel ist es, die Entwicklung eines voll ausgeprägten Diabetes hinauszuzögern.


Bei Diabetes Typ 1 greift das eigene Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse an und zerstört diese. Deswegen spricht man hier von einer Autoimmunerkrankung. Der jetzt in der Europäischen Union zugelasseneWirkstoff Teplizumab (Handelsname "Teizeild") wirkt immunsuppressiv und ist der erste zugelassene Wirkstoff zur Verzögerung des Ausbruchs von Diabetes Typ 1. Er darf nun Erwachsenen und Kindern ab einem Alter von acht Jahren verordnet werden.

Im Schnitt zwei Jahre länger ohne Symptome

Der Einsatz des Antikörpers klappt am besten in einer frühen Phase der Erkrankung. Im sogenannten Stadium 2 (s. Kasten) verändern sich die Blutzuckerwerte, der Patient spürt aber noch keine Symptome. Autoantikörper gegen die Betazellen liegen aber bereits vor. Ziel ist es den Übergang in Stadium 3 zu bremsen.

Die Zulassung beruht auf den Daten einer Studie, bei der junge Teilnehmer mit mindestens zwei nachgewiesenen diabetesassoziierten Autoantikörpern und auffälligen Blutzuckerwerten, entweder Teplizumab oder ein Placebo erhielten. Der Übergang in Stadium 3 fand bei denjenigen Teilnehmern, die ein Placebo erhielten, rund 2 Jahre später statt. Die Probanden, die den Antikörper erhielten, wechselten im Schnitt erst nach etwa vier Jahren in das Stadium 3. Insgesamt also eine durchschnittliche Verzögerung um 2 Jahre bei einer relativ hohen Schwankungsbreite.

Stadien von Diabetes Typ 1

Ein Diabetes Typ 1 entwickelt sich in Phasen. Beginnend mit Autoimmunität (Stadium 1), gefolgt von Blutzuckerstörungen ohne Symptome (Stadium 2) bis hin zur klinischen Manifestation mit Symptomen (Stadium 3) und langfristiger Insulinpflicht (Stadium 4). Die Früherkennung in den Phasen 1 und 2 kann helfen, Stoffwechselentgleisungen wie Ketoazidosen zu vermeiden. 


Stadium 1: Autoimmunität

  • Zustand: Mindestens zwei Inselautoantikörper sind im Blut nachweisbar (Autoimmunprozess)
  • Blutzucker: Normal
  • Symptome: Keine

Stadium 2: Dysglykämie

  • Zustand: Autoantikörper sind vorhanden, die Beta-Zellmasse sinkt
  • Blutzucker: Erhöht
  • Symptome: Noch keine, aber der Stoffwechsel ist gestört

Stadium 3: Klinische Diagnose

  • Zustand: Der Diabetes ist manifest.
  • Blutzucker: Deutlich erhöht
  • Symptome: Typische Symptome wie starker Durst, häufiges Wasserlassen, Gewichtsverlust treten auf. Eine Insulintherapie ist notwendig

Stadium 4: Chronischer Verlauf

  • Zustand: Das Stadium der dauerhaften Erkrankung.
  • Hauptaugenmerk: Langzeitmanagement und Therapie

Verabreichung 14 Tage in Folge intravenös

Am Ende der Studie befand sich der Diabetes noch bei 28 Prozent der Placebo-Teilnehmer in Stadium 2, bei denjenigen, die den Antikörper erhalten hatten, waren es 57 Prozent. Der Anti-CD3-Antikörper Teplizumab  wird in der Regel über  14 Tage einmal täglich als intravenöse Infusion verabreicht.

Bei Teplizumab handelt es sich um das erste zugelassene Medikament, welches in den Verlauf von Typ-1 Diabetes eingreift. In Großbritannien, den USA und anderen Ländern außerhalb Europas ist das Medikament bereits seit einigen Jahren zugelassen.