Coronapandemie verschärft Situation

Mehr Fußamputationen aufgrund der Covid-Pandemie

|   BV HannoverLV NiedersachsenMeldung

Immer noch wird in Deutschland zu viel amputiert. Und seit Beginn der Coronapandemie hat sich die Situation leider noch weiter verschlimmert.

Rund 50.000 Mal jährlich werden in Deutschland Teile der Gliedmaßen amputiert. Das bedeutet, dass Diabetiker mit chronischen Durchblutungsstörungen immer noch zu oft zu spät beim richtigen Arzt landen. Und seit Beginn der Coronapandemie hat die Zahl der Amputationen weiter zugenommen.

Viele Untersuchungen aufgeschoben

Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen und vor allem um Kapazitäten in den Krankenhäusern für Infizierte zu schaffen, wurden seit März dieses Jahres viele notwendige Untersuchungen und Behandlungen aufgeschoben, wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet. „Dazu kommt, dass viele Diabetiker mit chronischen Durchblutungsstörungen aus Angst vor einer Infektion ihre Vorsorgetermine abgesagt haben.“, so Prof. Dr. med. Dittmar Böckler, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und ärztlicher Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie und endovaskuläre Chirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg.

Genaue Zahlen gibt es nicht. Aber: „Zahlreiche Kliniken berichten davon, dass sich Patienten mit Durchblutungsstörungen so spät vorgestellt haben, dass eine Fußamputation nicht mehr zu umgehen war“, ergänzte der Gefäßchirurg. „Allein das Diabetischen Fußsyndrom führt hierzulande jährlich zu über 40.000 Amputationen. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich leider im oberen Bereich“, sagte Böckler.

Fuß-Pass legt Untersuchungsintervall fest

Viele dieser Eingriffe könnten durch vorbeugende Maßnahmen und rechtzeitige Erkennung verhindert werden. Böckler sieht hier vor allem die Hausärzte in der Pflicht. Menschen mit den bekannten Risikofaktoren Typ-2-Diabetes, Arteriosklerose, höheres Alter, Fettstoffwechselstörungen, familiäre Häufung, Rauchen oder Bluthochdruck sollten immer wieder auf Durchblutungsstörungen hin untersucht werden.

Um Amputationen wegen dem Diabetischen Fußsyndrom zu verhindern, hat die Deutsche Diabetes Gesellschaft kürzlich den Fuß-Pass eingeführt. Dieser Pass funktioniert nach dem Ampel-Prinzip und gibt Auskunft darüber, wie oft der Arzt die Füße untersuchen muss.

Keine Amputation ohne Untersuchung der Gefäße

Seit April 2020 haben alle Patienten zudem das Anrecht, auf Kosten der Krankenkassen eine zweite ärztliche Meinung einzuholen, bevor sie sich amputieren lassen. Böckler plädiert dafür, dass diese Untersuchung bei einem Gefäßspezialisten erfolgen sollte. Denn die Gefäßchirurgie biete vielfältige Methoden, um die Durchblutung etwa eines Beines wieder zu verbessern und so eine Amputation zu verhindern. „Ohne vorherige eingehende Untersuchung der Gefäße durch einen Gefäßchirurgen oder Gefäßmediziner sollte keine Amputation stattfinden“, betonte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie.


Entscheidungshilfe Amputation

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat eine Entscheidungshilfe zu Amputationen beim Diabetischen Fußsyndrom formuliert. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.