Bewegungsmangel entgegenwirken

Medienkonsum von Kindern stärker kontrollieren

|   LV NiedersachsenKinder & JugendlicheMeldung

Während der Corona-Pandemie sind digitale Medien für Kinder und Jugendliche enorm wichtig geworden. Nicht nur fürs Homeschooling, sondern auch um Kontakt zu Gleichaltrigen zu halten.

Erst Homeschooling, dann Online-Spiele mit den Freunden und am Abend ein Spielfilm mit den Eltern. Gerade in Zeiten der Pandemie fällt es Kindern und Jugendlichen schwer, den Ausknopf zu drücken. Laut einer Erhebung der DAK aus dem vergangenen Jahr hat der Konsum von Onlinespielen während des ersten Lockdowns um rund 75 Prozent zugenommen, die Zeit, die mit sozialen Medien verbracht wird, um 65 Prozent.

Das reale Leben kommt oft zu kurz

Der Dachverband der Betriebskrankenkassen (BKK) hielt zu diesem Thema eine Tagung mit dem Titel „Medienmündigkeit“ ab. „Digitale Medien kommen immer mehr im Kinderzimmer an, aktuell zum Lernen, aber auch aus Lange¬weile und weil Freunde fehlen – sie sollten aber kein dauerhafter Ersatz für das reale Leben sein“, sagte Daniela Ludwig (CSU), Drogenbeauftragte der Bundesregierung.

„Rund 700.000 Kinder in Deutschland gamen zu viel und verbringen zu viel Zeit am Handy. Das macht krank.“, so Ludwig in einem informativen und interessanten Video, das im Auftrag der Bundesregierung zusammen mit Checker Tobi erstellt wurde.

Eltern sollten klare Regeln aufstellen

Eltern werden dabei aufgerufen, auf den Medienkonsum ihrer Kinder zu achten, und zwar mit „Feingefühl, Tagesstruktur und Regeln“, so Ludwig. Unterstützt werden sollen Familien dabei auch durch die Kampagne „Familie.Freunde.Follower“.

„Die grundlegenden Auswirkungen der Corona-Pandemie, die Verlagerung des Lebens vom Analogen ins Digitale, spüren wir alle“, lautet das Statement von Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbands. Kinder müssten lernen, mit digitalen Medien umzugehen. Helfen kann ihnen dabei beispielsweise das Präventionsprogramms „Echt dabei".

7 Stunden Medienkonsum am Tag

Fast jedes zweite Vorschulkind sieht fast jeden oder jeden zweiten Tag fern. Grundschüler verbringen 1,5 Stunden vor einer Mattscheibe und zwar etwa die Hälfte davon im Internet und die andere Hälfte mit Internetspielen. Richtig schlimm wird es bei den 12- bis 19-Jährigen. Pro Tag verbringen sie 117 Minuten vor dem Fernseher, 214 Minuten im Internet und  103 Minuten mit digitalen Spielen. Das ergibt über 7 Stunden pro Tag!

Quelle: KIM- und JIM -Studie

Wenn Eltern ihren Kindern keine zeitlichen Grenzen setzen, sei häufig mit riskanter oder pathologischer Mediennutzung ihrer Kinder zu rechnen, so Prof. Dr. Rainer Thomasius, Kinder- und Jugendpsychiater aus Hamburg. Besonders betroffen sind ihm zufolge vor allem Kinder und Jugendliche aus der Unterschicht und unteren Mittelschicht, und insbesondere bei einem ungünstigen Familienklima.

Übergewicht und Schlafstörungen sind die Folgen

Übermäßiger Medienkonsum hat laut dem Kinder- und Jugendpsychiater einen ungünstigen Einfluss auf die Entwicklung und Gesundheit. Gestört werde so nicht nur die motorische Entwicklung, sondern auch die Hirnentwicklung und die sprachliche Entwicklung. Der kindliche Körper reagiert auf eine ausdauernde Mediennutzung mit Schlafstörungen, Muskelverspannungen, Sehstörungen und Übergewicht.

Empfehlungen der Suchtkommission

Während der Kleinkind- und Kindergartenzeit sollten Kinder nicht mithilfe digitaler Medien lernen oder spielen. Im Alter von 7 bis 11 Jahren werden maximal 45 Minuten empfohlen. Ein eigenes Smartphone sollte es frühestens in der 5. Klasse geben und die Medienzeit von 11 bis 13 Jahren sollte eine Stunde pro Tag nicht überschreiten. Jugendliche ab 14 Jahren sollten nicht länger als 90 Minuten pro Tag mit digitalen Medien verbringen.