Aufklärungskampagne für Eltern

Warnzeichen einer Stoffwechselentgleisung rechtzeitig erkennen

|   LV NiedersachsenMeldung

Pro Jahr erkranken in Deutschland rund 3.500 Kinder an Diabetes Typ 1. Bei jedem fünften Kind wird der Diabetes erst bei einer lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisung erkannt. Deswegen sollen Eltern künftig im Rahmen der Kindervorsorgeuntersuchungen für dieses Thema sensibilisiert werden.

Die 14-jährige Sophia L. (Name geändert) fuhr mit dem Rad ins Freibad. Dort fühlte sie sich schlecht und ließ sich von ihrer Freundin nach Hause bringen. Bei den Eltern angekommen, brach die Schülerin unvermittelt zusammen. „Sie wurde bewusstlos und musste an Ort und Stelle reanimiert werden“, schildert Prof. Dr. med. Andreas Neu, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) einen authentischen Fall aus seiner Praxis. Sophia hatte Glück: Intensivmediziner und Kinderdiabetologen konnten die Jugendliche noch rechtzeitig aus dem schweren diabetischen Koma zurück ins Leben holen, wie die DDG berichtet.

Kampagne, damit die Eltern die Warnzeichen erkennen

So wie Sophia geht es jedes Jahr rund 700 Kindern. „Bei zwanzig Prozent bricht die Erkrankung scheinbar unvermittelt mit einer schweren Stoffwechselentgleisung aus, einer Ketoazidose“, erklärt Neu. Dieser Zustand kann lebensbedrohlich werden. Deswegen hat die DDG eine Aufklärungskampagne gestartet. „Eltern sollten die vier Warnzeichen eines unentdeckten Diabetes kennen“, so Neu.

Warnzeichen: Durst, Wasserlassen, Gewichtsverlust und Müdigkeit

Bei folgenden Symptomen sollten die Eltern hellhörig werden: Ständiger Durst, häufiges Wasserlassen, Gewichtsverlust und andauernde Müdigkeit. Leider wissen dies viele Eltern nicht und versäumen es, rechtzeitig einen Arzt aufzusuchen. Alarmstufe Rot besteht bei Übelkeit oder Erbrechen, beschleunigter Atmung und einem säuerlichen Acetongeruch des Atems. „Da hier diabetisches Koma droht, das tödlich enden kann, gehören betroffene Kinder sofort in ärztliche Behandlung“, betont Neu.

Um dies künftig zu verhindern, sollen die Kinderärzte den Eltern bei jeder U6- und U7a-Vorsorgeuntersuchung, die Ende des ersten sowie dritten Lebensjahres stattfinden, kurz die vier Warnzeichen des Typ-1-Diabetes erklären. Zudem erhalten die Eltern einen Flyer mit wichtigen Informationen über Diabetes.

Zahl der Stoffwechselentgleisungen während des Lockdowns doppelt so hoch

Wie eine Studie zeigt, hat sich die Zahl der Kinder mit einer lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisung aufgrund eines unentdeckten Diabetes während des Lockdowns im Frühjahr 2020 sprunghaft verdoppelt. Gründe dafür waren vermutlich teilweise geschlossene Kinderarztpraxen sowie die Angst vor einer Ansteckung mit COVID-19 beim Arztbesuch.