Rezension: Ernährungsempfehlungen bei Typ-2-Diabetes von Helmut Nussbaumer

„Lieber Fleisch in Öl anbraten als die Bratwurst in der Teflonpfanne“

|   LV NiedersachsenMeldung

Kaum ein Thema sorgt derart für Diskussionsstoff wie Ernährungsempfehlungen. Low-Carb oder Low-Fat? Darf ich Butter essen oder lieber Margarine? Süßstoffe oder besser Zucker? Hier wollen wir Euch ein Buch vorstellen, das uns restlos überzeugt hat und fundierte Antworten auf alle diese Fragen hat. „Ernährungsempfehlungen bei Typ-2-Diabetes“ ist von Dr. med. Helmut Nussbaumer, Diabetologe mit Schwerpunkt Diabetesberatung am Diabeteszentrum Burghausen sowie am Diabetes-Reha-Zentrum Hallein.

Helmut Nussbaumer ist nicht nur Arzt, sondern auch gelernter Koch und Diätkoch und hat vor seiner Karriere als Mediziner die 5-Sterne-Hotellerie kulinarisch verwöhnt. Der Mann kennt sich also mit gutem Essen aus und weiß, gesunde Mahlzeiten schmackhaft zuzubereiten. Nussbaumer will mit seinem Buch „neue Erkenntnisse zu Essen & Trinken in der Diabetologie transparent machen und mit alten Zöpfen aufräumen“.

Ein guter Koch hat mehr Fett an den Händen als am Bauch

Ein umfangreiches Kapitel ist dem Thema Fette und Öle gewidmet. Nachdem Butter lange Jahre verpönt war, ist sie in letzter Zeit rehabilitiert worden. Nussbaumer dazu: Für Butter schreiben große europäische Studien einen das Diabetesrisiko senkenden Effekt. Aber auch: Gemäß der aktuellen Datenlage ist Butter in Bezug auf Diabetes als neutral einzustufen. Soll heißen: Butter ist ok, aber nicht zu viel davon.

Objektiv stellt er die unterschiedlichen Forschungsergebnisse beispielsweise auch zum Thema Süßstoffe vor. Er zitiert die American Diabetes Society, die in ihren aktuellen Empfehlungen auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Süßstoffen und Gewichtszunahme hinweist und zitiert eine Studie, die davon ausgeht, dass Süßstoffe die Darmflora verändern und damit die Entstehung von Diabetes fördern. Aber er erwähnt auch die Fachgesellschaften, die einen vernünftigen Einsatz von Süßstoffen für unbedenklich halten. Interessant: Für Nussbaumer ist Stevia „ein geeignetes Süßungsmittel bei Diabetes vom Typ 2“.

Kaffee schützt vor Typ-2-Diabetes

Vier bis sechs Tassen Kaffee pro Tag dürft Ihr getrost trinken und tut euch noch Gutes damit. Die Befürchtung Kaffee sei ungesund widerlegt Nussbaumer und zeigt im Gegenteil, dass Kaffee gerade für Diabetiker gesund ist und sogar vor Diabetes vom Typ 2 schützt. „Trinken Sie Kaffee, anstatt eine Zwischenmahlzeit zu essen. Kaffee bremst den Appetit“, empfiehlt er in seinem 300 Seiten dicken Werk, das keine Frage zur richtigen Ernährung offenlässt.

Vorsicht vor Schwarzwälder Schinken

Zu viel rotes Fleisch ist ungesund, wissen wir alle. Nussbaumer aber weist auch auf, warum Räuchern und die Zugabe Pökelsalz in vielen Wurstwaren besonders schädlich ist. Der Diätologe rät deswegen lieber zu einer gegrillten Hühnerkeule als zu Wurstaufschnitt. Und ein kleines Stück Fleisch in hitzebeständigem Fett angebraten ist immer noch viel gesünder als eine Bratwurst in einer beschichteten Pfanne ohne Fett angebraten.

Ernährung kann vor Insulintherapie bewahren

Jeder weiß, dass man mit der richtigen Ernährung sehr viel bewirken kann. Welche Ernährungsempfehlungen sind nach wie vor aktuell und welche gehören endlich zu den Akten gelegt? Nussbaumer hat akribisch wissenschaftliche Studien der letzten Jahre ausgewertet. Seinem sowohl für Diabetiker als auch für Fachleute geschriebenem Buch merkt man an, dass der Mann auch Gesundheitspädagoge ist. Sehr gut zu lesen wartet es mit einer Fülle an Informationen auf. Mit sehr detaillierten aber klaren Empfehlungen zu einer gesunden Ernährung will er viele Menschen mit Typ-2-Diabetes vor einer Insulintherapie bewahren und dafür sorgen, dass viele ihr Insulin wieder absetzen können.

Das Buch von Helmut Nussbaumer:

„Ernährungsempfehlungen bei Typ-2-Diabetes“ ist im Springer Verlag erschienen und kostet Euro 39,99