Neue Bedrohung für Covid-19-Patienten

Indien: Hoher Blutzuckerspiegel begünstigt tödliche Pilz-Infektion

|   LV NiedersachsenMeldung

In Indien und den benachbarten Ländern infizieren sich viele Covid-19-Erkrankte zusätzlich mit einem gefährlichen Pilz. Als Ursachen gelten ein schlecht eingestellter Diabetes und falsch dosiertes Kortison.

Indien hat mehr Todesfälle im Zusammenhang mit Corona an einem Tag gemeldet als je ein anderes Land während der Pandemie. Mitte Mai starben innerhalb von 24 Stunden über 4.500 Menschen an oder mit Corona, so die Informationen des indischen Gesundheitsministeriums.

Mukormykose-Epidemie in Indien und den benachbarten Ländern

Doch noch eine zweite Geißel quält das Land: Viele der Corona-Erkrankten infizieren sich zusätzlich mit einem normalerweise sehr selten vorkommendem, aber hochgefährlichem Pilz. Dieser „Schwarze Pilz“ führt zur Krankheit Mukormykose. Etwa zehn indische Bundesstaaten haben die Mukormykose-Fälle zu einer Epidemie erklärt.

Diese Schimmelpilze gedeihen in der Erde von verwesendem organischen Material wie verrottendem Laub. Menschen infizieren sich durch Einatmen der Pilzsporen oder aber auch über Luftbefeuchter oder verschmutztes Wasser. Von Mensch zu Mensch ist die Infektion aber nicht übertragbar.

 

Mukormykose in Deutschland

Nach Informationen des Spiegels sind Mukormykose-Erkrankungen in Deutschland sehr selten. Weniger als 100 Fälle im Jahr werden berichtet. Häufige Symptome sind Gesichts- und Augenschmerzen, Taubheitsgefühle , Einblutungen in der Bindehaut des Auges und Sehstörungen.

Verantwortlich können Infektionen durch die Sporen verschiedener Pilzarten sein, am häufigsten Schimmelpilze. Menschen mit Diabetes haben ein erhöhtes Risiko an einer Mukormykose zu erkranken, wenn ihr Blutzuckerspiegel nicht gut eingestellt und dadurch erhöht ist.

 

Pilzsporen fressen sich in kürzester Zeit durch Knochen und Gefäße bis ins Gehirn

Meistens dringen die Sporen über die Nasennebelhöhlen ein und fressen sich innerhalb von kürzester Zeit durch Knochen, Nerven, Blutgefäße bis ins Gehirn. Die Infektion ist sehr aggressiv und muss schnell behandelt werden. Damit der Pilz nicht ins Gehirn vordringt, müssen Ärzte Infizierten dann manchmal Teile des Gesichts entfernen, damit der Pilz nicht ins Gehirn wandern kann. Infizierte sterben oft binnen weniger Tage. Die Todesrate ist extrem hoch.

Hohe Blutzuckerspiegel öffnen dem Pilz den Weg in den Körper

Bei einem gesundes Immunsystem hat der Pilz keine Chance sich zu vermehren. Ist das Immunsystem geschwächt, sieht dies anders aus. Auch Menschen mit Diabetes mit einem zu hohen Langezeitzuckerspiegel haben ein erhöhtes Risiko für Mukormykose. Oliver Cornely, Leiter des Europäischen Exzellenzzentrums für Invasive Pilzinfektionen der Universität Köln dazu: „Bei einem hohen Blutzuckerspiegel wird auf der Oberfläche der Schleimhautzellen in den Atemwegen ein Rezeptor ausgedrückt, an den sich der Pilz anheften kann. Von dort aus fängt er an zu wachsen und frisst sich durch alles durch“. In Indien sind rund neun Prozent der Bevölkerung Diabetiker und in vielen Regionen fehlt die medizinische Infrastruktur um den Blutzucker zu kontrollieren.

Kortison erhöht die Blutzuckerwerte

Der Blutzucker ist aber aktuell nicht nur aufgrund eines unbehandelten Diabetes bei Vielen zu hoch, sondern Covid-19-Infizierte nehmen auch oft und in zu hohen Dosierungen Kortison ein. Das Problem: Kortison steigert den Blutzuckerspiegel und reguliert das Immunsystem herunter. In Indien werden Medikamente wie Kortison ohne Rezept verkauft. Ein Vertreter der Public Health Foundation of India erklärte: „Die Leute haben angefangen, Steroide reichlich, übertrieben und unangebracht einzusetzen.“ Dadurch bereitet es bei zu hoher Dosierung den Pilzsporen den Weg in den Körper. Als wichtigstes Mittel gegen Mukormykose gilt Amphotericin B. Daran aber mangelt es derzeit in Indien.