Workshops auf dem Typ F-Wochenende

Medizintechnik: Auf dem Weg zur (weitgehend) automatischen Insulinzufuhr

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Die Entwicklung der Medizintechnik hat im Bereich Diabetes in der jüngeren Vergangenheit enorme Fortschritte gemacht. In den Workshops beim Typ-F-Wochenende der Diabetiker Niedersachsen zeichnete sich ab, dass der Trend zu Algorithmen und immer autonomeren Systemen geht.

Spätestens seit die Medizintechnik in Form von CGM-Geräten und Insulinpumpen ihren Weg ins Diabetesmanagement gefunden hat, gibt es einen großen Wunsch: Dass die Geräte im Zusammenspiel möglichst selbstständig und möglichst weitreichend eine normal arbeitende Bauchspeicheldrüse ersetzen. Im Rahmen der Workshops, Vorträge und persönlichen Gespräche, die verschiedene Technik-Anbieter im Rahmen des Familienwochenendes der Diabetiker Niedersachsen im JBF-Centrum auf dem Bückeberg anboten wurde klar: Die Entwicklung hin zu diesem Ziel geht mit großen Schritten voran.

Automatische Insulinabgabe

Medtronic etwa will zeitnah mit der 770G eine „Smart Guard“-Technologie anbieten, die in einem Automatikmodus über einen Algorithmus einerseits Voraussagen treffen kann, ob sich die Werte zu hoch oder zu niedrig entwickeln – und andererseits die basale Insulinabgabe alle fünf Minuten an den durch den Sensor individuell ermittelten Bedarf anpassen kann.

In eine ähnliche Richtung – und möglicherweise noch einen Schritt weiter – geht der französische Hersteller Roche. Hier wird wohl ab 2022 ein System angeboten, bei dem ein dem Smartphone ähnliches „Handset“ eine Controller-Funktion für Pumpe und CGM übernimmt. Auch hier kommt ein selbstlernender Algorithmus zum Tragen. Am Ende soll eine über einen Loop-Modus weitgehend automatisierte Insulinabgabe stehen. Besonders interessant für viele Besucherinnen und Besucher des Workshops: Das Gerät kann bei Unterzuckerung konkrete Empfehlungen zur erforderlichen Kohlenhydrataufnahme machen.

Bei der t:slim-X2-Insulinpumpe von VitalAire kommt eine Technik mit dem Namen „Basal-IQ-Technologie“ zum Einsatz. Die Pumpe lässt sich mit den CGM von Dexcom (G6 und demnächst G7) verbinden und kann niedrige Blutzuckerwerte vorhersagen und die Fortsetzung der Insulinabgabe automatisch unterbrechen.

Schlauchloses Pumpensystem

Auf viel Interesse stieß der kaum 30 Gramm wiegende Omnipod Dash von Insulet als schlauchloses Pumpensystem. Die Pumpe wird ähnlich eines CGM-Sensors unauffällig beispielsweise am Oberarm getragen und bietet Kindern beim Toben, Sporttreiben und Schwimmen eine größtmögliche Bewegungsfreiheit. Die Firma Abbot stellte darüber hinaus den tatsächlich sehr klein gewordenen Sensor Freestyle Libre 3 vor, der zudem nicht mehr mit einem extra Gerät ausgelesen wird, sondern die Daten automatisch ans Smartphone überträgt – wo sie via App auch von ausgewählten Angehörigen gesehen werden können.

Verbesserungsvorschläge für die Firmen

Insgesamt muss noch einmal festgehalten werden, dass die Diabetiker Niedersachsen von den anwesenden Firmen kein Geld bekommen, geschweige denn Geld an sie zahlen. Die Hersteller werden stattdessen eingeladen, im Rahmen der Eltern-Kind-Wochenenden häufig aufkommende Fragen rund um ihre Produkte kompetent zu beantworten, Neuerungen vorzustellen und einen möglichst breiten Überblick zu aktuellen Entwicklungen zu geben.

Dabei gibt es von den Besucherinnen und Besuchern der Vorträge durchaus auch Kritik – etwa zu auftretenden Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Sensor und Pumpe oder auch zum mitunter massiv auftretenden Verpackungsmüll der Produkte. Es handelt sich also um Gespräche auf Augenhöhe und um echten Austausch, bei dem den Firmen aus erster Hand auch viele konkrete Verbesserungsvorschläge mit auf den Weg gegeben werden.