Alkohol und Diabetes

Höchstens ein Bier zum Essen

|   LV NiedersachsenMeldung

Wie haltet Ihr es mit dem Thema Alkohol? Gibt es regelmäßig ein Feierabendbier oder gelegentlich ein Gläschen in Ehren? Oder verzichtet Ihr völlig auf Bier, Wein, Sekt und Hochprozentiges?

Wusstet Ihr, dass es offizielle Empfehlungen für den Konsum von Alkohol gibt? Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt Männern pro Woche nicht mehr als drei Liter Bier oder 1,4 Liter Wein und Frauen nicht mehr als 1,8 Liter Bier oder einen Dreiviertel Liter Wein zu trinken.

Auch in kleinen Mengen gefährlicher als gedacht

Laut aktuellen Studiendaten ist jedoch Alkohol - bereits in kleinen Mengen genossen - viel schädlicher als die Meisten denken. Bereits das tägliche Glas Wein oder Bier kann nicht nur verschiedene Krankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs auslösen, sondern auch das Leben deutlich verkürzen1. Der Mythos, dass ein Glas Rotwein pro Tag gut für das Herz sei, gilt schon lange nicht mehr. Auf der anderen Seite deuten Untersuchungen darauf hin, dass Alkohol in moderaten Mengen genossen, vor Typ-2-Diabetes schützen könnte2. Also was tun?

Alkohol reduziert Risiko für Diabetes vom Typ 2

Alkohol hemmt die Umwandlung von Kohlenhydraten in Zucker, deswegen bleibt der Blutzucker niedriger. Aber sind Wein und Bier demzufolge empfehlenswert? Oder lösen Alkoholika im Gegenteil Unterzucker aus? Moderater Alkoholkonsum senke tatsächlich den Blutzucker von Menschen mit Diabetes und verhindere bei Menschen ohne Diabetes das Risiko daran zu erkranken, berichtete Prof. Dr. Joachim Spranger, Diabetesexperte von der Charité in Berlin im Rahmen des diesjährigen Diabeteskongresses. Auf der anderen Seite führe aber regelmäßiger Alkoholkonsum bei Diabetikern eindeutig dazu, dass die Zuckerwerte nicht mehr so genau kontrolliert und die Medikamente nicht mehr zuverlässig eingenommen werden.

Im Rausch wird Unterzucker oft nicht bemerkt

Muss man bei dem Genuss von Alkohol die Insulindosis anpassen? Wird Alkohol zum Essen getrunken, müsse meistens die Insulindosis nicht verändert werden, so Spranger. Er warnte aber vor Alkoholischem ohne etwas dazu zu essen. Dann müsse man mit Unterzucker rechnen. Besonders schlimm wird es dann, wenn man wegen eines Schwipses gar nicht mehr bemerkt, dass man in Unterzucker gerät.

Die offiziellen Empfehlungen lauten: Ein mäßiger, risikoarmer Alkoholgenuss ist mit Diabetes vereinbar, am besten zum Essen. Wenn das nicht möglich ist, am besten danach eine Kleinigkeit essen. Sprangers persönliche Meinung: „Auch wenn es in den Leitlinien heißt, dass ein mäßiger Alkoholkonsum vertret­bar ist, bin ich persönlich der Meinung, dass es am besten wäre, wenn die Patienten ganz ohne Alkohol auskämen“.

So viel trinken die Deutschen

Der Alkoholkonsum sinkt hierzulande seit einigen Jahren leicht, ist aber laut einem aktuellen Bericht der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen weiterhin gefährlich hoch. Weit über 70.000 Deutsche sterben jährlich an den Folgen von Alkohol. Rund 130 Liter trinkt jeder Bundesbürger über 15 Jahre pro Jahr. Das entspricht rund einem Drittel Liter pro Tag oder aufs Jahr gerechnet einer gefüllten Badewanne.

Weiterführende Links:

Risk thresholds for alcohol consumption: combined analysis of individual-participant data for 599 912 current drinkers in 83 prospective studies

Alcohol drinking patterns and risk of diabetes: a cohort study of 70,551 men and women from the general Danish population