Entstehungsursache

Diabetes als Folge von Umweltfaktoren

|   LV NiedersachsenMeldung

Die Zahl der Menschen mit Diabetes vom Typ 2 steigt und steigt. Lange Jahre machte man ausschließlich einen ungesunden Lebensstil für diesen rasanten Anstieg verantwortlich. Heute weiß man, dass auch andere Faktoren eine Rolle spielen. Im Fokus sind vor allem Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung, Stress und organische Schadstoffe.

„Luftschadstoffe können in die Lunge eindringen und dort Entzündungen auslösen, die auch die Bauchspeicheldrüse und andere Organe angreifen“, erklärte die Umweltepidemiologin Dr. Tamara Schikowski im Rahmen des Kongresses der Deutschen Diabetes Gesellschaft, der kürzlich in Berlin stattfand. Luftverschmutzung steht ganz oben auf der Liste der verdächtigen umweltbedingten Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes, wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet1.

Verantwortlich sind Dieselruß ...

Gemeint ist damit aber nicht der aktuell viel diskutierte Feinstaub, sondern viel feinere Partikel, die von den Bronchien nicht beseitigt werden können. Hauptverursacher: Dieselruß! Mehrere Studien beweisen eine enge Korrelation zwischen dem Grad der Luftverschmutzung und dem Auftreten von Diabetes vom Typ 2 2, 3, 4.

An einer der Studien nahmen 1.775 Frauen im Alter von Mitte 50 aus dem Ruhrgebiet teil. Hier ergab sich ein klarer Zusammenhang zwischen Wohnen an befahrenen Straßen und dem Auftreten von Diabetes. Dabei führen die Rußpartikel zu ständigen Entzündungen im Körper, was wiederum die Ursache für Diabetes ist. Vor allem Menschen, die bereits an der Vorstufe, dem Prädiabetes leiden, sind bei hohen Schadstoffwerten deutlich gefährdet. Eine andere Untersuchung im Raum Augsburg ergab eine klare Korrelation zwischen dem Grad der Luftverschmutzung am Wohnort und dem Grad der Insulinresistenz.

... Stress beispielsweise durch Straßenlärm ...

Aber Straßenverkehr schadet nicht nur über Abgase, sondern auch durch den Lärm, den er verursacht. Verkehrslärm gilt als zweithäufigstes umweltbedingtes Gesundheitsrisiko5. Lärm verursacht Stress und Schlafstörungen. Beide Faktoren erhöhen nachweislich das Risiko für Diabetes. Zum einen schüttet der Körper unter Stress Hormone aus, welche einen Einfluss auf Insulin haben. Zum anderen führt Schlafmangel über bestimmte Hormone zu einem erhöhten Appetit. Wer schlecht schläft, isst mehr, wird dicker und erhöht so sein Risiko für Diabetes.

... und langlebige organische Schadstoffe

Das Insektizid DDT und der Weichmacher in Kunststoff und Lacken PCB sind zwar hierzulande schon lange verboten, wegen ihrer Langlebigkeit befinden sich diese Schadstoffe aber immer noch in unserer Nahrungskette und damit in unseren Körpern. Diese sogenannten anorganischen Schadstoffe lagern sich über Jahrzehnte im menschlichen Körper ein und stören die Wirkungsweise von Insulin, wie verschiedene Untersuchungen zeigen.

Quellen:

1Ursachenforschung: Diabetes aus der Umwelt

2Traffic-Related Air Pollution and Incident Type 2 Diabetes: Results from the SALIA Cohort Study

3Association Between Long-Term Exposure to Air Pollution and Biomarkers Related to Insulin Resistance, Subclinical Inflammation and Adipokines

4Ambient Air Pollution and Type 2 Diabetes: Do the Metabolic Effects of Air Pollution Start Early in Life?

5Environmental Burden of Disease in Europe: Assessing Nine Risk Factors in Six Countries