Im Labor bereits gelungen

So bekommt man Betazellen wieder aktiv

|   LV NiedersachsenMeldung

GLP-1-Analoga, die häufig zur Behandlung von Diabetes eingesetzt werden, regen zusammen mit einer noch nicht zugelassenen Substanz unter Laborbedingungen die Betazellen dazu an, mehr Insulin zu produzieren.

Die Betazellen befinden sich in den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse und stellen das Hormon Insulin her. Deswegen spielen diese Zellen eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Blutzuckers.

Bei Typ-1-Diabetikern werden die Betazellen durch das Immunsystem zerstört. Bei Diabetes vom Typ 2 hingegen versuchen die Betazellen erst so viel Insulin wie möglich zu produzieren, stellen dann aber nach einigen Jahren ihren Dienst ein und produzieren kein Insulin mehr.

Da die Betazellen also eine entscheidende Rolle bei Diabetes spielen, versucht man seit langem nach einer Möglichkeit entweder die Zahl der Betazellen zu erhöhen oder ihre Funktion zu erhalten beziehungsweise zu verbessern.

Betazellen lassen sich durch ein Medikament stimulieren

Jetzt schöpfen Forscher Hoffnung. Zumindest im Labor lassen sich Betazellen mithilfe von zwei Wirkstoffen dazu anregen, mehr Insulin herzustellen, wie eine aktuelle Studie zeigt. Bei dem einen davon handelt es sich um einen Wirkstoff aus der Gruppe der GLP-1-Analoga, die zur Behandlung von Diabetes bereits eingesetzt werden. Bei dem anderen geht es um das Alkaoid Harmin.

Bereits vor einigen Jahren stellten Wissenschaftler fest, dass mithilfe des Alkaloids die Betazellen dazu angeregt werden, aktiver zu werden, allerdings nur in sehr geringem Maße. Kombiniert man Harmin mit einem GLP-1-Analogum, fällt die Wirkung deutlich stärker aus und erreicht ein Maß, das für den Einsatz am Menschen durchaus relevant wäre.

Zellen bilden wieder mehr Insulin

Früher dachte man, dass diese Aktivität auf eine Vermehrung dieser Zellen zurückzuführen ist. Heute weiß man, dass die bereits vorhandenen Betazellen sich nicht vermehren, sondern durch diese beiden Wirkstoffe angeregt werden, mehr Insulin zu bilden.

Bis diese neuen Erkenntnisse jedoch eventuell Menschen mit Diabetes helfen könnten, ist es auf jeden Fall noch ein langer Weg. Vorher muss getestet werden, wie lange die Wirkung der Substanzen anhält. Außerdem muss vorher ausgeschlossen werden, dass durch die beiden Wirkstoffe nur die Betazellen angeregt werden und nicht beispielsweise auch Tumorzellen.