Kein Abfall des Blutzuckers

Schwimmen mit Diabetes Typ 1: Auch kühles Wasser kein Problem

Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes scheuen das Schwimmen im Meer und in Seen. Zu groß ist ihre Angst, vom rettenden Ufer entfernt in Unterzucker zu geraten. Eine Studie macht Mut, mehr Selbstvertrauen zu wagen.


Schwimmen ist gesund und ein besonders effektives Workout. Herz und Kreislaufsystem werden trainiert und die Muskeln gekräftigt, ohne dabei die Gelenke zu stark zu belasten. Verstärkt auch Bewegung im Wasser die Wirkung von Insulin und steigt damit das Risiko für eine Unterzuckerung?

Spürt man zu niedrige Blutzuckerwerte beim Baden?

Hypoglykämien beim Schwimmen werden von vielen Menschen mit Typ-1-Diabetes besonders gefürchtet, aus Sorge im Wasser weder Zittern noch Herzklopfen als erste Anzeichen von zu niedrigen Blutzuckerwerten zu spüren. Versuche an Personen ohne Diabetes haben gezeigt, dass beim Schwimmen die Zuckerwerte sinken und vermehrt Kohlenhydrate abgebaut werden, und zwar in kühlerem Wasser mehr als in wärmerem. 

Unterschied zwischen warmem und kühlerem Wasser?

Australische Forscher wollten wissen, ob es auch bei Menschen mit Diabetes einen Unterschied zwischen Bewegung in kälterem und wärmerem Wasser gibt und starteten eine kleine Studie mit acht Menschen mit Diabetes Typ 1 im Alter von 18 bis 40 Jahren. Alle nahmen an verschiedenen Trainingsrunden teil. Zum einen an drei Zyklen von je einer Stunde mit 40 Prozent ihrer Spitzenbelastung auf einem Fahrradergometer „im Trockenen“ bei einer thermoneutralen Temperatur von 22 Grad Celsius. Thermoneutral heißt, der Körper kann seine Kerntemperatur ohne besondere Anstrengung aufrechterhalten. Die anderen Trainingseinheiten fanden im Wasser statt, einmal bei einer thermoneutralen Temperatur von 32 Grad und einmal in kühlem Wasser bei 22 Grad und zwar auch auf einem Ergometer in einem Becken.

Wichtig: Unbeschwert Schwimmen mit Diabetes Typ 1


Am See und am Meer sollte der Blutzucker engmaschiger als üblich kontrolliert und die Insulinmenge entsprechend angepasst werden. Vor dem Schwimmen messen und bei einem niedrigeren Blutzuckerspiegel erst einen kohlehydratreichen Snack essen, bevor man ins kühle Nass steigt. Im Wasser können Unterzuckerungen leicht unerkannt bleiben, da das Zittern der Hände schnell auf das kalte Wasser zurückgeführt wird. Messgerät, Teststreifen und Insulinpumpe am besten in einer kleinen Kühltasche am Ufer aufbewahren. Viele Insulinpumpen sind zwar wasserdicht, doch mit der Zeit können kleine Risse entstehen, über die Wasser eintreten und die Pumpe beschädigen kann. Am besten die Pumpe vor dem Schwimmen ablegen. Die Kanüle kann durch ein wasserdichtes Pflaster geschützt im Körper bleiben. Zwischen den Aufenthalten im Wasser die Pumpe einfach wieder ankoppeln. Am besten sprecht Ihr vor dem Aufenthalt im Wasser mit Eurem Arzt und fragt ihn, welche Lösung er vorschlägt.

Temperaturen wie in heimischen Badeseen

Die Bedingungen im kühleren Wasser dürfte am ehesten den Bedingungen an einheimischen Badeseen entsprechen. Die Temperaturen von Nord- und Ostsee liegen mit etwa 18 Grad Celsius während der Badesaison noch darunter. 

Die Teilnehmer hatten in der Nacht davor nichts gegessen und befanden sich im Zustand der „basalen Insulinämie“, das bedeutet, sie hatten die Menge an Insulin im Blut, die für den Grundbedarf des Körpers unabhängig von Mahlzeiten notwendig ist.

Dabei ergab sich Folgendes:

  • Die Blutzuckerwerte sanken nach dem Training auf dem Ergometer im Trockenen, nicht jedoch nach den Trainingseinheiten im wärmeren und kälteren Wasser.
  • Die Insulinwerte sanken während und kurz nach dem Radfahren in kühlerem Wasser. 
  • Während einer einstündigen Erholungsphase im Trockenen bei 24 Grad nach dem Training im kühleren Wasser stiegen die Blutzuckerwerte deutlich an. Dieser Effekt wurde nach dem Radfahren an Land oder in wärmerem Wasser nicht beobachtet. 

Mehr Selbstvertrauen beim Schwimmen

Bewegung im kühleren Wasser führt demnach nicht zu einer stärkeren Senkung der Blutzuckerwerte als wärmeres Wasser oder das Training an Land. Nach der körperlichen Anstrengung im kühleren Wasser stiegen die Zuckerwerte schneller wieder an. Die Forscher empfehlen Menschen mit Typ-1-Diabetes mit mehr Selbstvertrauen und Sicherheit an Aktivitäten im Wasser teilzunehmen.