Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, die sich über mehrere Jahre hinweg entwickelt. Im ersten Stadium attackieren Autoantikörper die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse. In einem zweiten Stadium setzt dann zusätzlich der Angriff der körpereigenen T-Lymphozyten gegen die Betazellen ein. Erst in Stadium 3 ist die Produktion von Insulin derart gedrosselt, dass es zu einem Anstieg der Blutzuckerwerte kommt. Erste Anzeichen sind häufiger Harndrang, starker Durst und Gewichtsverlust.

Antithymoglobulin greift T-Lymphozyten an
In den ersten Monaten nach der Diagnose gibt es oft noch eine geringe Restproduktion von Insulin bevor der Körper komplett aufhört dieses Hormon herzustellen. Forscher untersuchten, wie man diese Phase verlängern kann. Ein Ansatz dafür ist der Wirkstoff Antithymoglobulin, der gezielt in das Immunsystem eingreift, in dem er menschliche T-Lymphozyten zerstört.
In einer aktuellen klinischen Studie erhielten Kinder und junge Erwachsene über zwei Tage eine Infusion mit Antithymoglobulin. Alle Teilnehmer befanden sich in Stadium 3 der Erkrankung und wurden bereits mit Insulin behandelt, es gab aber noch eine geringe Produktion von Insulin. Ziel dabei war, das Immunsystem so zu modulieren, dass es die verbliebenen Betazellen weniger stark angreift.

Anderes Verzögerungsmedikament kurz vor Zulassung
In den USA ist seit November 2022 ein anderer Wirkstoff, der Anti-CD3-Antikörper Teplizumab unter dem Markennamen "Tzield" zur Behandlung von Typ-1-Diabetes im Anfangsstadium zugelassen. Dieser Antikörper konnte im Rahmen einer Studie die Restproduktion von Insulin teilweise erhalten. Die Behandlung erfordert über zwölf Tage hinweg tägliche Infusionen und zögert den Abfall der Insulinproduktion hinaus, kann das allmähliche Sinken der Insulinproduktion jedoch noch nicht dauerhaft verhindern.
Mit der Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) wird nun auch eine baldige Zulassung in der EU sehr wahrscheinlich. Nun muss die EU-Kommission entscheiden, ob sie der Empfehlung folgt. In der Regel ist dies aber reine Formsache. Anscheinend wird der Wirkstoff in Europa unter dem etwas anders lautenden Markennamen "Teizeild" vertrieben werden.
Nach einem Jahr deutlich niedrigerer Langzeitzucker
Die Ergebnisse stimmen optimistisch. Bei einigen Teilnehmenden blieb dank Antithymoglobulin die körpereigene Insulinproduktion länger erhalten, als man es sonst erwarten würde. Der Langzeitblutzuckerwert HbA1c lag nach einem Jahr deutlich niedriger als bei den Probanden einer Kontrollgruppe. Die Blutzuckerwerte blieben länger stabil, deswegen musste weniger Insulin verabreicht werden. Das allmähliche Sinken der Produktion von Insulin konnte damit zwar verlangsamt, nicht aber verhindert werden.


