Mit Diabetes am Steuer

Neuropathien beeinträchtigen die Fahrkünste

|   BV SchaumburgMeldung

Zum Thema Autofahren mit Diabetes gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte: Neuropathien in den Füßen beeinträchtigen die Fahrtüchtigkeit. Die gute: Durch Üben wird das Gespür fürs Gaspedal besser.

Forscher aus England verglichen die Fahrtüchtigkeit von elf Menschen mit Diabetes mit Neuropathie, mit der von zehn Diabetikern ohne dieses Nervenleiden und zehn Menschen ohne Diabetes*. Alle Teilnehmer waren zwischen 60 und 67 Jahre alt.

Messung der Kraft im rechten Fuß

Der für das Gaspedal zuständige rechte Fuß (auch Engländer geben mit dem rechten Fuß Gas) wurde in dieser Studie hinsichtlich seiner Kraft mit einem Dynamometer untersucht. Im Fokus standen dabei die Kraft bei der Fußbeugung, die Sensomotorik und die sogenannte Propriozeption. Unter Propriozeption versteht man ganz allgemein die Wahrnehmung von Körperbewegungen, in diesem Fall die Empfindungen in Fuß und Bein, die das Gehirn über den Zustand von Gelenken, Sehnen und Muskeln informieren. Außerdem unternahmen alle Teilnehmer Fahrtests mithilfe eines Simulators.

Gaspedal oft zu tief gedrückt

Die Diabetiker mit Neuropathie hatten deutlich weniger Kraft im Sprunggelenk und den Waden. Sie waren ungeschickter bei der Kontrolle des Gaspedals, veränderten die Stellung des Fußes öfters und drückten das Pedal mehrfach zu tief, da das Gefühl für die Position des Knöchels beeinträchtigt war. Die Propriozeption war deutlich eingeschränkt.

Langsamer aber immer sicherer

Im Vergleich zu den Diabetikern ohne Neuropathie und den Studienteilnehmern ohne Diabetes fuhren die Patienten mit Neuropathie im Fahrsimulator wesentlich langsamer. Vor allem in der ersten Runde fielen diese Teilnehmer zudem durch extreme Lenkbewegungen auf. Dies besserte sich aber bereits in der zweiten Fahrsimulation. Bereits bei der zweiten Runde gab es keine Unterschiede mehr zu den Diabetikern ohne Neuropathie. Und hinsichtlich der Fahrkünste zu den Probanden ohne Diabetes waren die Unterschiede nur noch minimal. Dies zeigt, dass Menschen mit Neuropathie ihre Defizite durch Übungssituationen offenbar ausgleichen können.

Die Autoren der Studie schlagen vor, dass nun untersucht werden sollte, ob standardisierte Lernprogramme das Fahrvermögen bei Neuropathie langfristig erhalten und verbessern können. Damit auch Menschen mit Neuropathie weiter sicher Auto fahren können.

Weiterführende Links:

Altered accelerator pedal control in a driving simulator in people with diabetic peripheral neuropathy