Insulinmangel

Ketoazidose rechtzeitig erkennen

|   LV NiedersachsenMeldung

Übelkeit, Bauchschmerzen, trockener Mund und vertiefte Atmung – die klassischen Anzeichen von Ketoazidose werden sehr oft erst mal mit anderen Ursachen in Verbindung gebracht. Das kann gefährlich werden.

Die meisten Typ-1-Diabetiker, die mit Ketoazidose im Krankenhaus landen, haben im entscheidenden Moment die Warnsignale von Insulinmangel nicht wahrgenommen. Es entstehen Ketonkörper, die das Blut übersäuern. Wenn man dann auch noch erbrechen muss, führt am stationären Aufenthalt in einer Klinik kein Weg mehr vorbei. Wichtig ist dann, den Ärzten in der Notaufnahme zu sagen, dass man Diabetiker ist. Sonst halten die Ärzte die Bauchschmerzen vielleicht erst mal für Blinddarmentzündung und die vertiefte Atmung für eine Lungenentzündung.

Ketonmessung im Blut besser als im Urin

Die Ketoazidose ist eine gefährliche Stoffwechselentgleisung, die durch Insulinmangel ausgelöst wird. Bleibt sie unbehandelt kann sich ein lebensgefährliches diabetisches Koma entwickeln. Ketoazidosen treten vor allem bei Menschen mit Diabetes vom Typ 1 auf.

Wer bei Übelkeit an die Ketonmessung denkt und richtig reagiert, kann das Krankenhaus oft vermeiden. Bei entsprechenden Anzeichen oder dem Verdacht auf Ketoazidose solltet Ihr auf jeden Fall überprüfen, ob eine Übersäuerung des Blutes besteht. Dazu eignen sich Azeton-Harnteststreifen oder ein Blutzuckermessgerät mit speziellen Keton-Teststreifen. Früher wurden die Ketone hauptsächlich im Urin bestimmt. Der Nachteil dabei ist, dass Änderungen im Ketonspiegel erst rund zwei Stunden später im Urin sichtbar werden. Außerdem werden hier nicht die Ketone direkt, sondern ein Stoffwechselprodukt nämlich Acetoacetat gemessen. Deutlich genauer ist deswegen die Messung im Blut.

Gefahr bei Insulinpumpen und der Einnahme von SGLT-Hemmern

Es gibt mehrere Gründe, die dazu führen können, dass sich zu viele Ketonkörper bilden. Entweder wurde die Insulininjektion vergessen oder die Kanüle der Insulinpumpe hat sich gelöst. Manchmal steigt aber auch der Insulinbedarf durch Infektionen, Verletzungen oder nach Operationen stark an und die Dosierung wird nicht angepasst. Für folgende Typ-1-Diabetiker sind Messungen der Ketonwerte im Blut besonders wichtig: Für diejenigen, die Insulinpumpen benutzen und für diejenigen, die einen der sogenannten SGLT-Hemmer einnehmen, also die Medikamente Forxiga® oder Zynquista®.

Insulinpumpen können schon mal aufgrund eines Defekts am Katheter anfangs unbemerkt nicht genug Insulin abgeben. Das Problem von SGLT-Hemmern: Man kann trotz beinahe normalen Blutzuckerwerten in die Ketoazidose geraten. Studien haben zudem gezeigt, dass diese beiden Wirkstoffe die Ketonwerte erhöhen und daher das Risiko einer Ketoazidose erhöht ist. Diese Medikamente führen zu einer insulinunabhängigen Senkung des Blutzuckerspiegels. Deswegen kann ein erhöhter Blutzuckerspiegel hier nicht mehr als Warnsignal verwendet werden.

SGLT-Hemmer werden daher nur dann verschrieben, wenn der Blutzucker sich allein mit Insulin nicht regulieren lässt, wenn der BMI bei mindestens 27 kg/m2 liegt und die Keton-Werte im Normalbereich liegen. SGLT-Hemmer sind nie ein Ersatz für Insulin, sondern werden bei manchen Patienten zusätzlich eingesetzt, die gewissenhaft ihre Ketonwerte im Blick haben.

STICH-Protokoll bei deutlich erhöhten Ketonwerten

Was ist zu tun, wenn unter der Therapie mit SGLT-Hemmern die Ketonwerte steigen? Hier sollte man das „STICH“-Protokoll verfolgen. ST steht hierbei für das Stoppen der Einnahme von Forxiga® oder Zynquista®. I steht für Insulingabe, auch dann, wenn die Zuckerwerte nicht deutlich erhöht sind. C steht für Kohlenhydrate und bedeutet, dass man rasch Kohlenhydrate essen sollte und das H steht für Hydratation, also Wasser trinken. Wer sich unsicher ist, sollte vielleicht lieber sein Wissen in Sachen Ketoazidose auffrischen und noch einmal an einer entsprechenden Schulung teilnehmen.

Anzeichen einer Ketoazidose können sein:

  • Übelkeit oder Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Übermäßiger Durst und trockener Mund
  • Süßer oder metallischer Geschmack im Mund
  • Schnelle und tiefe Atmung
  • Müdigkeit oder Schläfrigkeit
  • Verwirrtheit