Mediziner warnen

Intervallfasten bei Diabetes Typ 2 nicht ohne Arzt

|   LV NiedersachsenMeldung

„Menschen mit Typ-2-Diabetes sollten nicht mit Intervallfasten beginnen, ohne ihren Arzt einzubeziehen“, warnen US-amerikanische Internisten.

Kurzzeitfasten über 16 Stunden pro Tag hilft nicht nur beim Abnehmen, sondern trägt auch dazu bei, dass der Körper Stoffe ausschüttet, die Entzündungen dämpfen können. Dies hat einen positiven Einfluss auf den Zucker- und Fettstoffwechsel. Zudem wird bei diesen kurzen Fastenperioden der Stoffwechsel nicht gedrosselt und so der Jo-Jo-Effekt vermieden.

Sorge vor Unterzuckerung

Das Team um Dr. Benjamin Horne von der Stanford University sieht die Wirkung von Intervallfasten bei Typ-2-Diabetes nicht ganz so positiv. Der Mediziner aus Kalifornien geht davon aus, dass es keinen großen Unterschied macht, ob man den gesamten Tag über kalorienreduziert isst oder die gleiche Kalorienmenge nur über einen bestimmten Zeitraum verzehrt. Laut Horne besteht zudem bei Diabetikern ein erhöhtes Risiko von Hypoglykämien, zudem könnten die Blutzuckerschwankungen zu Komplikationen führen.

Vorsicht bei der Dosierung von Insulin und Sulfonylharnstoffen

In den letzten Jahren wurden sieben Studien veröffentlicht, die sich mit dem Nutzen von verschiedenen Formen von Intervallfasten bei Diabetes vom Typ 2 beschäftigen. Alle Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass Intervallfasten das Gewicht reduziert, den HbA1c, den Blutzucker und den Blutdruck senkt. In einer der Studien kam es trotz Anpassung der Medikamente zu einer Zunahme von Unterzuckerungen. Besonders gefährdet sind Diabetiker, die mit Insulin und Sulfonylharnstoffen behandelt werden.

 „Es gibt kein Antidiabetikum, das beim Intervallfasten in Bezug auf Hypoglykämien als komplett sicher betrachtet werden kann“, betont Horne. Zwar gebe es inzwischen erste Ratschläge für Ärzte, wie die Medikation bei Typ-2-Diabetikern anzupassen sei, für echte Leitlinien sei die Beweislage jedoch bislang nicht ausreichend. Die Forscher gehen auch davon aus, dass durch die durch den Wechsel von Essens- und Fastenpausen der Blutzucker stärker schwanken könnte.

Meinungen gehen auseinander

Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt vom Immanuel Krankenhaus in Berlin, hingegen sieht Intervallfasten auch bei Diabetes sehr positiv. Er geht davon aus, dass der Körper bereits ab einer Fastenzeit von zehn Stunden profitiert und Gewicht abbaut. Autophagie, also Selbstreinigungsprozesse der Zellen starten nach 12 bis 14 Stunden. Aber auch Michalsen empfiehlt vor Beginn Rücksprache mit dem Arzt um gegebenenfalls die Menge der Medikamente anzupassen.