Actrapid, Protaphane, Actraphane und Co.

Immer mehr Humaninsuline verschwinden vom Markt: Rechtzeitig nach Alternative suchen

Bis Ende 2026 werden weitere Humaninsulin-Präparate vom Markt verschwinden. Wer noch eines dieser Medikamente nutzt, sollte spätestens jetzt zusammen mit seinem Arzt nach einer Alternative suchen.


Der Diabetes-Weltmarktführer Novo Nordisk nimmt bis Ende dieses Jahres seine letzten Humaninsuline aus dem Handel. Der Pharmahersteller Sanofi stellt bereits seit drei Jahren keine Humaninsuline mehr her. Wie lange der Hersteller Eli Lilly diese Präparate noch vertreiben wird, ist unklar. Immer mehr Pharmaunternehmen nehmen Produkte mit Humaninsulinen aus ihrem Sortiment. 

Vor zwei Jahren noch von jedem Zehnten genutzt

Im Jahr 2024 nutzte laut Informationen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) rund jeder zehnte Insulinpflichtige Humaninsuline. Heute - zwei Jahre später - dürften es weniger sein, aktuelle Zahlen gibt es nicht.

Unterschied zwischen Humaninsulinen und Insulinanaloga


Gentechnisch hergestellte Humaninsuline werden seit Anfang der 1980er Jahre eingesetzt. Sie besitzen die gleiche Aminosäuresequenz wie das natürliche menschliche Insulin und entsprechen diesem daher in ihrem chemischen Aufbau.

Insulinanaloga sind seit den 1990er Jahren verfügbar. Zunächst wurden schnell wirksame, später langwirksame Analoga entwickelt. Sie unterscheiden sich vom Humaninsulin nur durch wenige gezielte Veränderungen in der Aminosäuresequenz. Dadurch verändern sich ihre pharmakologischen Eigenschaften: Schnell wirksame Insulinanaloga werden nach der Injektion rascher aufgenommen und können Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten besser begrenzen. Langwirksame Insulinanaloga werden dagegen langsamer freigesetzt und sorgen für eine gleichmäßigere Basalinsulinwirkung über viele Stunden.

Die DDG blickt mit Bedauern auf die Einschränkungen auf dem Insulinmarkt. Zwar werde es keine Versorgungsengpässe geben, was Insulin betrifft. Es gebe genug gute Alternativen zum Humaninsulin, so ein Sprecher der Gesellschaft. Die Verfügbarkeit von Humaninsulin werde aber künftig erheblich eingeschränkt sein. Deswegen sei es jetzt an der Zeit, sich zusammen mit dem betreuenden Arzt gegebenenfalls nach einem anderen Insulin umzusehen.

Umstellung nur mit medizinischer Begleitung

Zur Wahl stehen neben den aktuell noch verbliebenen Humaninsulinen zahlreiche Präparate aus der Gruppe der Insulinanaloga. Je nach den Bedürfnissen wird dann in der diabetologischen Praxis entschieden, welches Medikament am besten passt. Die Umstellung sollte auf keinen Fall ohne ärztliche medizinische Begleitung und Diabetesberatung durchgeführt werden, so die DDG.