Laut Programm sollte unser erster Landesdiabetestag ja eigentlich erst um 11 Uhr beginnen. Doch schon lange vorher zeigte sich: Das Interesse war größer als erwartet. Der Andrang vor dem Gorch-Fock-Haus wuchs stetig, erste Gespräche und ein ungeduldiges Scharren mit den Füßen entstanden bereits vor den Türen. So entschieden wir uns kurzerhand, die Pforten etwas früher zu öffnen. Kaum geschehen, strömten die Besucher hinein, orientierten sich, suchten gezielt bestimmte Stände oder fanden sofort neue Bekanntschaften in angeregten Gesprächen. Schnell füllten sich die Gänge, Stimmen vermischten sich zu einem steten Grundrauschen. Ein guter Start für eine lebendige Veranstaltung, die anscheinend einen Nerv traf.
Im Foyer erwarteten die Besucher zwei gewachsene Institutionen der deutschen Diabetes-Szene: Der Diabetes-Anker bot mit seiner Fotobox einen guten Anlass für allerlei Schabernack und witzige Erinnerungsfotos, während Heiko Scharfenort, der Entwickler der beliebten Kohlenhydrat-Suchmaschine WETID, zusammen mit einem kleinen Team sein Angebot vorstellte und auch dem ein oder anderen weniger digital affinen Interessenten die App direkt auf dem Smartphone einrichtete. Scharfenort ist durch sein wirklich nützliches Tool für den Diabetes-Alltag inzwischen so bekannt und beliebt, dass er sogar Autogramme geben musste.


Markt der Möglichkeiten: vielfältig, direkt, gefragt
Die restlichen Aussteller präsentierten sich hingegen dicht an dicht auf dem Markt der Möglichkeiten im Kinau-Saal des Gorch-Fock-Hauses. Seinem Namen wurde das Angebot mehr als gerecht: Über 20 Aussteller präsentierten hier ihre Angebote und wurden im Laufe des Tages von annähernd 2000 Besuchern intensiv zu ihren Angeboten befragt. Vom orthopädischen Schuhwerk, über klassische Blutzuckermessgeräte bis hin zu hochmodernen AID-Systemen war für Abwechslung gesorgt.
Es wurde ausprobiert, nachgehakt, diskutiert. Kein Stand blieb lange ohne Besucher. Gerade diese unmittelbaren Gespräche machten hier den Wert aus: Informationen wurden nicht nur aufgenommen, sondern eingeordnet und hinterfragt. Im Hilfsmittelbereich sorgte, neben etablierten Anbietern wie Insulet, Roche, Abbott, Dexcom, VitalAire, Ypsomed, Ascensia und Kaleido, besonders der Newcomer Medtrum für Aufmerksamkeit. Dr. Fred Schaebsdau, Country General Manager bei Medtrum, stellte in einem begleitenden Q&A das Hybrid-Closed-Loop-System „TouchCare Nano“ vor und traf hier auf gewaltiges Interesse. Die Teilnehmenden zeigten sich merklich beeindruckt von den Möglichkeiten der bei den Einheiten äußerst flexiblen Insulinpumpe.
Wie Manfred Herbst den Landesdiabetestag nach Wilhelmshaven brachte

Manfred Herbst ist seit vielen Jahren Leiter einer unserer Selbsthilfegruppen in Wilhelmshaven und war zudem Mitglied des Arbeitskreises Diabetes Wilhelmshaven-Friesland. Der Arbeitskreis, vorwiegend bestehend aus am im Raum Wilhelmshaven-Friesland niedergelassenen Medizinern, hatte der Selbsthilfegruppe bei seiner Auflösung das restliche Vereinsvermögen vermacht, unter der Auflage, dass damit ein Diabetestag im Gorch-Fock-Haus durchgeführt werde. So kam es, dass sich Herbst an seinen Landesverband wandte, um bei Organisation und Durchführung entsprechend Unterstützung zu erhalten. Unter dem Motto "Von Harz bis Nordsee - Diabetes im Blick" haben wir einen Event für ganz Niedersachsen daraus geschmiedet. Großer Dank geht deshalb an Manfred und den Arbeitskreis für die fruchtbare Kooperation.
Manfred wird zum Ende des Jahres in den wohlverdienten Ruhestand gehen und seinen Vorsitz der Selbsthilfegruppe niederlegen. Er freut sich über motivierte Menschen, die Lust auf seine Nachfolge haben. Kontakt: 0176 84806685 oder herbst_whv(at)gmx.de
Ideen, die bewegen
Ein besonderer Anziehungspunkt war der Stand der Typ-F-Selbsthilfegruppen aus Niedersachsen. Dort präsentierten u.a. zwei Sechstklässlerinnen ihr „Jugend forscht“-Projekt und zogen damit zahlreiche Familien an. Ihre Idee: Blutzuckermessgeräte mit Hüllen in Form von Spielfiguren zu versehen, um bei kleinen Kindern mit Diabetes Typ 1 die Akzeptanz der Blutzuckermessung zu steigern. Am eigens eingerichteten Sondertisch erklärten die Mädchen engagiert ihr Projekt und beantworteten geduldig Fragen. Doch dabei blieb es nicht: Sie konnten vor Ort auch zahlreiche Familien für eine erweiterte Studie zur Thematik gewinnen.
Volle Vorträge, lebendige Diskussionen
Parallel zum Messegeschehen waren die drei Vortragsräume meist stark frequentiert, oft bis auf den letzten Platz gefüllt. Neben klassischen Themen wie Herzgesundheit, Leber oder dem Nutzen einer Haferkur sorgte insbesondere Chefarzt Dr. Cord Skamira vom Diabeteszentrum Bad Lauterberg für intensive Gespräche. Seine Thesen zur Rolle des Fettgewebes bei Diabetes Typ 2 wurden auf den Gängen weiterdiskutiert. Sein bewusst schlichtes Fazit schien Vielen nach seinem Vortrag in einem ganz neuen Licht: „Es hilft ab und zu mal ein bisschen weniger zu essen.“
Auch eher randständige Themen fanden großen Zuspruch. Dr. Andreas Möller vom HNO-Zentrum Nordwest stellte anschaulich den Zusammenhang zwischen Schlafapnoe und erhöhtem Blutzucker dar. Dr. Marcus Schmitt vom Klinikum Wilhelmshaven beleuchtete neue Therapiemöglichkeiten für verschiedene Typ-3-Diabetesformen – verständlich, praxisnah und mit reger Beteiligung aus dem Publikum.
Ernährung verständlich für alle
Für einen überfüllten Saal sorgte der Vortrag „Ernährung ist kein Feind“ von WETID-Entwickler Heiko Scharfenort. Sein Ansatz, komplexe Zusammenhänge verständlich und alltagsnah zu erklären, traf auf große Resonanz. Viele Zuhörer erhielten hier erstmals eine klare Orientierung, was bei der Ernährung mit Diabetes wirklich zählt. Zum Abschluss der Veranstaltung gab Scharfenort zudem einen Überblick über die neue App „WETID-MyDia“, die im Vergleich zu früheren Versionen deutlich erweiterte Funktionen bietet. Ein echtes Upgrade, nicht nur ein Update.
Begegnungen auf Augenhöhe
Was diesen Landesdiabetestag besonders machte, war neben der inhaltlichen Vielfalt vor allem die engagierte Zusammenarbeit aller Beteiligten. Die unkomplizierte Kooperation mit gleich zwei Kliniken aus Wilhelmshaven und Bad Lauterberg erwies sich als echter Mehrwert. Viele der beteiligten Mediziner waren auch nach ihren Vorträgen auf den Gängen präsent, ansprechbar und offen für individuelle Fragen. Diese direkten Gespräche wurden intensiv genutzt und machten den Tag für viele Besucher erkenntnisreich und wertvoll.
Ein Tag, der nachwirkt
Am Ende bleibt ein klares Bild: ein intensiver, lebendiger Tag, der Information, Austausch und neue Impulse miteinander verbunden hat. Egal ob Typ 1, Typ 2, Typ F oder Typ 3 – für jeden fand sich ein Angebot, das im Alltag wirklich weiterhilft. Und das alles von Patienten für Patienten.
Unser Landesvorsitzender Arnfred Stoppok fasste es gegenüber der Wilhelmshavener Zeitung treffend zusammen: „Wir freuen uns sehr, dass so viele Betroffene, Angehörige, Interessierte und Vertreter medizinischer Berufe heute hier nach Wilhelmshaven gekommen sind. Das ist für uns die beste Anerkennung für die großartige Arbeit in den Selbsthilfegruppen und zeigt, dass Selbsthilfe auch in Zukunft neben den Fortschritten in der medizinischen Diagnostik und Therapie eine starke Rolle spielen wird.“














