Diabetes erhöht Risiko für „Blutvergiftung“

Aktion „Deutschland erkennt Sepsis“

Jedes Jahr sterben rund 75.000 Menschen in Deutschland an einer Sepsis. Viele Menschen könnten gerettet werden, wenn die Bevölkerung mehr über diese Erkrankung wüsste. Deshalb wurde die Kampagne „Deutschland erkennt Sepsis“ ins Leben gerufen, eine unter anderem für Menschen mit Diabetes relevante Aktion, da deren Risiko für eine Sepsis deutlich erhöht ist.


Nach Herzkreislauf-Erkrankungen und Krebs, rangiert Sepsis in Deutschland auf Rang 3 der Todesursachen. Dabei handelt es sich um die schwerste Form einer Infektion. Bei einer Sepsis sind die Abwehrkräfte nicht mehr in der Lage, eine lokale Infektion zu verhindern und der Erreger wandert ins Blut. Der Körper aktiviert dann alle Abwehrsysteme, wie das Immunsystem und das Gerinnungssystem. Dabei wird nicht nur der Erreger bekämpft, sondern es werden auch verschiedene Organe geschädigt. Es kommt zum septischen Schock und zum Multiorganversagen. Eine unbehandelte Sepsis führt stets zum Tod und stellt immer einen akuten Notfall dar.

Gefahren einer Sepsis häufig unterschätzt

Initiatoren der Kampagne „Deutschland erkennt Sepsis“ sind das Aktionsbündnis Patientensicherheit, die Sepsis-Stiftung, der Sepsisdialog der Universitätsmedizin Greifswald und die Deutsche Sepsis-Hilfe. Grund für die Aktion ist die Tatsache, dass viele Menschen nicht wissen, wie gefährlich eine Sepsis ist. Und auch nicht alle Ärzte und Pfleger reagieren sofort richtig. „Wichtig ist, die Sepsis überhaupt auf dem Zettel zu haben“, so Dr. Matthias Gründling, Leiter des Sepsisdialogs, eines in Greifswald etablierten Modellprojekts.

Patient schildert seine Erfahrungen

Ein ehemaliger Patient schilderte bei der Pressekonferenz der Deutschen Sepsis-Hilfe eindrücklich seine eigenen Erfahrungen: Begonnen hatte alles mit einer leichten Rachenentzündung. Die kuriert er zwei Tage mit Tee, Honig und Ruhe, danach geht er drei Tage wieder zur Arbeit. Dann, an einem Freitagabend, schafft er es kaum nach Hause, fühlt sich sterbenselend. Als er wegen eines starken diffusen Krankheitsgefühls den Bereitschaftsarzt verständigte, sah dieser keinerlei Anlass zum Handeln. Der Mann entwickelte daraufhin eine lebensbedrohliche Sepsis.

Banale Infekte oder kleine Wunden als Ursache

Der von der Ehefrau gerufene Notarzt reagiert sofort. Auf dem Weg ins Krankenhaus wäre der Infizierte beinahe an multiplem Organversagen gestorben. In der Klinik angekommen wird er ins künstliche Koma versetzt. Drei Tage später ist klar, welche Erreger er sich eingefangen hatte: A-Streptokokken, Bakterien, die neben Rachenentzündungen unter anderem auch Mittelohrentzündungen und Scharlach auslösen. Der Mann überlebt, aber mehrere Finger müssen amputiert werden.

Wirklich das Blut vergiftet?

Sepsis ist den meisten Menschen unter dem Begriff Blutvergiftung bekannt. Es handelt sich dabei aber um keine Vergiftung im herkömmlichen Sinn, sondern um einen schweren Verlauf einer Infektion. Zu einer Sepsis kommt es, wenn das Immunsystem nicht in der Lage ist, die Ausbreitung von Erregern zu verhindern und diese in den Blutkreislauf gelangen.

Mit Diabetes Sepsis vorbeugen

  • Auf eine gute Blutzuckereinstellung achten
  • Hygiene im Alltag: Hände waschen, bei Bedarf Mund-Nasen-Schutz tragen, bei Injektionen auf saubere Haut und Materialien achten
  • Wunden desinfizieren, pflegen und beobachten
  • Füße täglich kontrollieren und pflegen, kleine Verletzungen sofort versorgen, bei Rötung und/oder Schwellung einen Arzt aufsuchen
  • Jede Infektion ernst nehmen und konsequent behandeln
  • Impfstatus regelmäßig überprüfen und fehlende Impfungen nachholen

Zu hohe Blutzuckerwerte und Nervenschädigungen als Risiko

Auf der Website „Deutschland erkennt Sepsis“ erfährt man, wie man am besten eine drohende Sepsis erkennt und dann richtig reagiert. Menschen mit Diabetes erleiden etwa doppelt so häufig eine Sepsis wie vergleichbare Personen ohne Diabetes. Denn dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte können die Abwehr schwächen, Blutgefäße sowie Nerven schädigen und dazu führen, dass Wunden schlechter heilen oder Infektionen zu spät bemerkt werden.