Unterschiedliche Praxis der Krankenkassen bei der Kostenübernahme völlig unverständlich

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Die Übernahmepraxis der Niederlassungen der AOK in den verschiedenen Bundesländern beim „FreeStyle Libre“-FGM der Firma Abbott sorgt beim Landesvorsitzenden des Diabetiker Niedersachsen e.V., Arnfred Stoppok, für ein kräftiges Kopfschütteln. So wird das Gerät inklusive Zubehör derzeit in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Sachsen und Thüringen von den traditionsreichen Ortskrankenkassen anstandslos als Versicherungsleistung bezahlt, während Versicherte in den anderen Bundesländern keine Übernahme erwarten können.

Stoppok, selber ein Nutzer des Geräts, verärgert daran vor allem die Begründung der Ablehnung durch die AOK Niedersachsen. Im standardisierten Schreiben zur Ablehnung der Kostenübernahme heißt es:

„Das „FreeStyle Libre Flash Glukose Messsystem“ der Firma Abbot berücksichtig zwar den medizinischen Fortschritt, erfüllt aber nicht die gesetzlich geforderte Qualität und Wirksamkeit nach aktuellsten medizinischen Erkenntnissen.“

Dazu Stoppok: „Sollte das also bedeuten, dass der medizinische Fortschritt in Bayern und Sachsen ein anderer ist, als in Niedersachsen? Denn in diesen und anderen Ländern scheint das Gerät ja dem formulierten Anspruch gerecht zu werden, wie sonst erklärt sich die unterschiedliche Handhabung unter einem Dach?“

Im Schreiben heißt es weiter: „Außerdem hält es die ISO-Kriterien für die Messgenauigkeit von Blutzuckermessgeräten nicht ein. Fehlmessungen sind nicht ausgeschlossen. Der Hersteller rät zusätzlich zum Freestyle Libre in bestimmten Situationen zu einer klassischen Blutzuckermessung.“

Stoppok: „Das ist natürlich richtig, aber sagt gar nichts zum Nutzen des Gerätes. Hunderte von niedersächsischen Diabetikerinnen und Diabetiker, deren Geräte von anderen Kassen problemlos übernommen wurden, haben sich gut daran gewöhnt, die im Gewebewasser gemessenen Blutzuckerwerte entsprechend zu interpretieren und führen nun ein unkomplizierteres und besser eingestelltes Leben. Eine klassische Blutzuckermessung ist hin und wieder bei jedem kontinuierlichen Messgerät nötig, ja bei den rtCGMs sogar zweimal täglich zwingend erforderlich, so dass auch dies kein Argument gegen das Gerät ist. Im Gegenteil: Grundsätzlich sind klassische Blutzuckermessungen mit dem FreeStyle libre nur in Ausnahmefällen angeraten, bei anderen Geräten aber mindestens morgens und abends Pflicht.“

Die Pointe der AOK Niedersachsen: „Der Gesetzgeber hat inzwischen die kontinuierliche Glukosemessung in Echtzeit (rtCGM) als Hilfsmittel aufgenommen. Das FreeStyle Libre wurde ausdrücklich ausgeklammert. Das rtCGM-System ähnelt zwar dem FreeStyle Libre, besitzt jedoch zusätzlich eine Alarmfunktion, die Ihnen eine Über- oder Unterzuckerung rechtzeitig anzeigt.“

Stoppok: „Mal ganz davon abgesehen, dass es mit ein wenig Knowhow auch möglich ist, sich eine Alarmfunktion für das FreeStyle Libre selbst zu programmieren, kann eine Alarmfunktion doch nicht das alleinige Kriterium bei der Kostenübernahme sein? Die Erfahrung mit unseren Mitgliedern zeigt, dass das FreeStyle Libre derzeit das beliebteste kontinuierliche Messsystem ist, mit dem Betroffenen die besten Erfahrungen machen. Viele berichten von einer deutlichen Verbesserung ihres HB1c, auch bei schwer einzustellendem Blutzucker. Menschen, die auf eine Unversehrtheit ihrer Fingerkuppen angewiesen sind, wie z.B. manche Musiker, sind froh, nicht mehr umständlich an ungünstigen Körperstellen ständig Blut abnehmen zu müssen. Viele Krankenkassen in Niedersachsen haben den Trend längst erkannt und übernehmen die Kosten für das Gerät. Es ist mir mehr als unverständlich, warum gerade bei der AOK die Praxis in den einzelnen Bundesländern so unterschiedlich ist.

Natürlich ist hier auch der Gesetzgeber gefragt, der auch das FreeStyle Libre in den Katalog der Hilfsmittel aufnehmen sollte. Selbstverständlich sind die Bedürfnisse der Betroffenen sehr individuell und dieses Gerät ist nicht für jeden das Optimum. Dennoch zeigt die Praxis, dass wir es hier mit einem der derzeit beliebtesten und effektivsten Messgeräte überhaupt zu tun haben. Die Politik und Deutschlands größte gesetzliche Krankenkasse sollten dies bundesweit und somit auch in Niedersachsen endlich berücksichtigen und entsprechende Maßnahmen ergreifen.“


Auf der Website der Firma Abbott gibt es eine laufend aktualisierte Liste der Krankenkassen, welche das FreeStyle Libre bereits übernehmen.